My time in Tanzania 14

23.01.2020
Gelb, gelb, gelb sind alle unsre Wände

Kim weckt Pat und mich am Donnerstag früh um vier Uhr durch ihr Aufstehen, ist dann aber ziemlich schnell verschwunden. Wie verabredet wartet sie mit Joseph oben an der Hauptstraße auf das Auto, das sie nach Arusha bringen soll.

Aber dieser Tag geht für sie weiter, wie der vorherige aufgehört hat. Um acht Uhr steht sie wieder in der Tür! Kein Auto ist gekommen. Sie haben dreieinhalb Stunden an der Straße gestanden – für nichts! Das ist nun wirkliches schlechtes Karma. Es ist bestimmt ein bisschen typisch für Afrika, für Tansania, aber auf jeden Fall typisch, wenn man sich auf Joseph verlässt… Nathan jedenfalls nimmt uns vier zur Seite, schaut uns beschwörend an und meint, dass wir niemanden vertrauen sollen außer Juliana und Baraka – niemandem!

Kim wird nach Wasso gefahren und will dort erneut ihr Glück versuchen. Wir sind um 10 Uhr in der Schule und wollen heute vollenden, was wir gestern begonnen haben. Dreieinhalb Klassenräume sind noch zu streichen. Von den drei Eimern Farbe ist einer verbraucht und ein zweiter gerade angebrochen. Wir haben gestern gut gehaushaltet und sind, wie veranschlagt, mit einem Eimer für zwei Räume ausgekommen.

Wir starten mit einem besonders schwierigem Raum. Die hintere Wand zieren etliche, bunte Handabdrücke und zwischen zwei Fenstern prangt ein Bild von einem Schmetterling in kräftigem Grün und Rosa. Wir haben schon den Kontinent Afrika und in einem anderen Klassenraum eine Weltkarte gerettet. Aber die Hände und den Schmetterling zu erhalten, wird kaum möglich sein. Juliana fackelt nicht lange und gibt die Anweisung, alles zu übermalen. Gut!

Nach dem vielen Rollern tat mir gestern mein rechter Arm weh und ich will heute lieber pinseln, um die leichte Entzündung im Ellbogen nicht noch auszudehnen. Aber anstatt, dass Dennis meine Rolle übernimmt, bietet sich die kleine Pat an, für mich zu rollern. Dennis bleibt bei seinem Pinsel, für ihn ist Streichen kein Vergnügen. Aber die Wände sind hoch und schon ich muss mich sehr strecken, um ganz nach oben zu kommen, oder auf einen Stuhl steigen, was aber umständlicher ist. Pat müht sich ab, aber das kann ich auch nicht mit ansehen, so tausche ich wieder Pinsel und Rolle mit ihr und werde es schon schaffen.

Wir haben aber heute Unterstützung von Nathan, der sich wie Dennis einen Maisgriessack um die Hüfte bindet und zwar ein bisschen braucht, bis er reinkommt, dann aber eine wertvolle Hilfe ist. Auch Juliana will mitstreichen. Sie hat noch zwei weitere Rollen organisiert, was auch gut ist, weil meine von gestern nun komplett den Geist aufgegeben hat.

Mit Nathan und Juliana

Neuigkeiten von Kim erreichen uns über unsere WhatsApp-Gruppe. Sie ist immer noch in Wasso und kurz davor, Selbstmord zu begehen 😳

Ohne Worte..

Wir arbeiten zügig bis zur Mittagspause. Ich will unbedingt fertig werden, denn eine weitere Nacht gesprenkelt ins Bett kommt für mich nicht in Frage. Ich freue mich schon auf eine lange, heiße und gründliche Dusche heute Abend! Aaahhhh 😀

Aber nach dem Mittagessen passiert Dennis erstmal ein Malheur. Ihm fällt eine der großen Isolierkannen bei dem Versuch, sich heißes Wasser einzuschenken, aus der Hand und auf den Tisch. Die Kanne zerspringt und Zillionen kleine Glassplitter und fast kochendes Wasser ergießen sich über den Tisch, den Teppich und auch Dennis (nackte) Beine. Peennnggggg!

Der Versuch, sich heißes Wasser einzuschenken…

Dennis hat sich zum Glück nicht stark verbrannt. Und Nathan und Juliana bleiben ganz gelassen. Aber der Teppich (zwar kein Perser, aber wichtig für einen warmen Fußboden) ist quatschnass und übersäht mit kleineren und größeren Glassplittern. Wir sammeln das Gröbste auf, aber die kleinen Stücke bekommt man ohne weiteres nicht weg. Jetzt wäre ein Staubsauger ziemlich nützlich… Stattdessen tragen Dennis, Nathan und Filimon den Teppich in eine Ecke des Gartens und schütteln ihn dort gründlich aus. Meine Bedenken wegen der Hühner verhallen fast ungehört – ich hätte die Scherben zumindest verbuddelt.

Zurück in der Schule muss Dennis dann leider dringend zum Fußball. Jeden Donnerstag um 15 Uhr spielen die Jungen mit einigen Lehrern eine Stunde lang Fußball. Grrr.. ich möchte fertig werden und dafür brauchen wir eigentlich jede helfende Hand. Aber ok. Zwei Klassenräume sind noch übrig. Und beide sind leider nur verputzt. Wir merken schnell in Klasse 6, dass die Wände die Farbe nur so aufsaugen. Mist! Damit kommen wir mit der Farbe nicht mehr hin. Ich schlage vor, gleich nach Wasso zu fahren und zu versuchen, einen 10-Liter-Eimer zu kaufen. Der Vorschlag wird hin und her diskutiert und schließlich verworfen. Es wird schon reichen; nicht noch mehr Geld ausgeben; wir können immer noch…

Letztendlich belassen wir es erstmal so und streichen weiter. Beatrice kommt vorbei, wie immer in einem fantastischen Kleid, und trotz meiner heftigen Einwände will sie auch streichen. Na bitte, wenn ich es ihr gar nicht ausreden kann …

Aber! Sie ist talentiert und…
… bekommt tatsächlich nicht einen Spritzer Farbe ab! Wie macht sie das bloß???

Wie ich es geahnt habe, ist kurz nach halb sechs die Farbe fast alle. Mit Mühe und Not reicht es für die beiden ersten Anstriche von Klasse 6 und Klasse 1, aber dieser eine Anstrich ist so dünn und durchsichtig und ungleichmäßig, dass ein zweiter, gut deckender noch nötig ist. Ich kalkuliere 10 Liter, denn die Hände in Klasse 5 brauchen noch eine dritte Schicht. Juliana versucht Baraka zu erreichen, aber der ist in Loliondo. Mein Blick fällt auf Modesti, einen jungen Mann, der für Juliana und Baraka arbeitet und der ein Motorrad hat. Könnte nicht er schnell nach Wasso fahren..? Müsste noch klappen, es ist 17:40 Uhr. Gute Idee, Juliana erklärt ihm, was wir brauchen und wo er es bekommen kann, aber sie benötigt dafür so lange Zeit, dass ich ganz ungeduldig werde. Trotzdem bitte ich ihn noch, mir UNBEDINGT eine Bürste mitzubringen, damit ich mich am Abend gründlich schrubben kann …

Wieder so ein Rätsel! Es ist jetzt 17:48 Uhr. Die Geschäfte schließen um 18 Uhr! Und das weiß auch Juliana. Aber statt dass sie sich kurz hält und Modesti losschickt, plaudert sie noch und vertrödelt die Zeit. Als Modesti dann letztendlich um 17:55 Uhr mit seinem Moped abdüst, weiß ich schon, dass er es eigentlich nicht schaffen kann. Aber vielleicht hat ja der Ladenbesitzer auch keine Uhr und schließt nicht pünktlich…

Er hat eine Uhr. Jedenfalls ist Modesti um 18:20 Uhr wieder zurück – ohne Farbe und auch ohne Bürste. Der Laden war schon geschlossen (welch Wunder!). Da stehen wir nun mit vier fertigen und zwei halb gestrichenen Klassenräumen. Aber wir sind auch kaputt und ich habe nur noch Sehnsucht nach der Dusche. Oh.. dafür brauche ich ja noch die Bürste. Ich bitte Modesti, für mich noch nach Loliondo zu fahren. Ohne Bürste wäre ich aufgeschmissen. Er tut‘s! Daaaanke!

Juliana und Nathan waschen noch die drei Eimer aus. Das ist eine ziemlich mühselige Arbeit, aber sie können sie gut gebrauchen.

Ich brauche an diesem Abend bestimmt 30 Minuten im Badezimmer, fühle mich danach aber wie neu geboren. Von Kim erhalten wir gehen halb acht noch eine Nachricht. Sie hat es tatsächlich geschafft, aus Wasso wegzukommen. Und zwar mit John, Julianas Bruder, der uns schon nach Loliondo gebracht hat. Allerdings musste sie 80 $ für das Benzin bezahlen. Zudem hat John auf der ganzen Fahrt immer mehr Leute mitgenommen, so dass das Auto zuletzt völlig überfüllt war. Was leider der Polisi (Suaheli für Polizei) aufgefallen ist… Und damit war erstmal Schluss mit der Fahrt. John musste Strafe zahlen. Gerüchte, dass er ins Gefängnis gesteckt wurde, konnte Juliana später entkräften. Für Kim bedeutete es aber, dass sie nicht mehr bis Arusha kam, sondern in Mto Wa Mbu, einem Ort am Lake Manyara, etwa zwei Stunden von Arusha entfernt, gestrandet war, wo sie die Nacht über bleiben musste. Das Karma hält an…

Wir übrigen Volunteers haben einen erholsamen Abend. Ich bin immer noch viel am niesen und husten, leider auch nachts. Pat beschwert sich netterweise nicht, wenn ich sie dadurch störe. Sie ist inzwischen nicht mehr nur mein roommate, sondern eine Freundin geworden. Hab ich eigentlich schon erwähnt, wie unwahrscheinlich wohl ich mich hier fühle? Nicht nur mit Pat, Sophie und Dennis, mit denen ich soviel lache und eigentlich jeden Moment Spaß habe. Sondern auch mit allen anderen, warmherzigen und offenen Menschen, die hier leben und so viel für uns tun. Dabei sollte es ja eigentlich umgekehrt sein…

3 Kommentare zu „My time in Tanzania 14

  1. Liebste Ulli,Ich lese jeden deiner Einträge und tauche mit dir in diese gerne Welt ein.Ich denk an dich! :-)SteffiVon meinemSmartphone gesendet.

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  2. Liebe Ulli,
    es freut mich, dass Du „angekommen“ bist und innerlich wahrscheinlich schon die nächste Reise nach Afrika planst…
    Deine Berichte sind so lebendig, dass ich geistig mit streichen muss.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.
    Liebe Grüße
    Bernd

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