My time in Tanzania 18

27.-30.01.2020
Auszeit

Die nächsten vier Tage bin ich außer Gefecht. Mich beruhigt, dass ich weder Fieber noch starke Kopfschmerzen habe. Malaria scheidet damit aus. Bedenken hatte ich schon ein bisschen deswegen, denn in der Serengeti habe ich trotz Nobite und Moskitonetz den ein oder anderen Mückenstich abbekommen. Und das Doxycyclin steckt immer noch unberührt in meinem Medikamentenbeutel… Gut, dieser Kelch geht also erstmal an mir vorbei. Aber mit mir ist nichts anzufangen. Als ob mir jemand den Stecker gezogen hätte – ich habe null Energie. Keine Kraft, irgendetwas zu tun. Ich kann nur schlafen, schlafen, schlafen.

Rührend kümmern sich alle um mich. Pat hat die Rolle der Krankenschwester übernommen und sorgt dafür, dass ich zu jeder Mahlzeit aufstehe, mich ins Wohnzimmer schleppe und wenigstens etwas esse. Am Gespräch kann ich mich nicht wirklich gut beteiligen, aber ich bekomme wenigstens das Meiste mit, was außerhalb meines Schlafzimmers passiert. Dennis hat mir am Montag Geld besorgt und mein Datenvolumen auf weitere 10 Gigabyte aufgestockt. Damit bin ich wieder kommunikationsfähig. Auch wenn ich es nicht wirklich nutze, beruhigt es mich doch.

Juliana, Baraka und Nathan schauen immer wieder nach mir und sind sehr besorgt. Juliana lässt einen besonderen Tee für mich kochen, mit Knoblauch, Ginger und Limonen. Davon werde ich quasi augenblicklich wieder gesund, versichert sie mir. Er sei die beste Medizin. Ich trinke folgsam, aber der starke Knoblauchgeschmack verursacht mir echt Übelkeit. Hilfe! Tapfer trinke ich im Laufe des Tages zwei Becher, bitte dann aber darum, lieber nur Tee aus Ginger und Limonen zu bekommen. Das machen sie netterweise auch. Allerdings bleibt der Geschmack des Knoblauchs noch viele Tage in der Kanne und wird nur nach und nach weniger. Aber es soll ja gesund sein 🙃

Juliana lässt auch extra Essen für mich kochen. Am Dienstag fragt sie mich, was ich denn gerne essen würde. Tatsächlich hatte ich mittags beim Anblick von Reis und Bohnen die Vision einer kräftigen Hühnersuppe. So erzähle ich ihr davon und sie lässt sich ausführlich schildern, wie wir in Deutschland Hühnersuppe kochen. Nur zweieinhalb Stunden später steht zum Dinner dann Hühnersuppe auf dem Tisch 😀 Ein großer Topf voll! Und draußen auf dem Hof läuft jetzt ein Huhn weniger herum… Aber die Suppe schmeckt und ich bin wirklich gerührt über diesen Akt der Nächstenliebe.

Hühnersuppe – extra für mich! Aber so viel schaffe ich gar nicht …

Einen Tag später überrascht mich Juliana dann mit einem riesigen Omelette zum Frühstück. Nur für mich 🙈 Die anderen bekommen ihr übliches Frühstück aus Chapati, Fried Bread, Peanutbutter und Jam.

Und auch noch frisches Omelette

So richtig hilft jedoch nichts. Weder Suppe, Omelette, Tee oder Dr. Colds Hustensaft zeigen irgendeine Wirkung. Am Mittwoch fühle ich mich immer noch so schlapp, dass ich einwillige, mich im Wasso Hospital untersuchen zu lassen. In Begleitung aller Volunteers und Juliana fährt Baraka mich am späteren Vormittag in das Hospital. Und dass, obwohl heute am Mittwoch der erste Tag der Inspektion ist! Dazu aber später mehr.

Das Krankenhaus wurde 1964 von einem österreichischen Missionsarzt und Priester gegründet und gehört heute der römisch-katholischen Erzdiözese Arusha. Es ist ganz gut ausgestattet mit zwei Operationssälen, Radiologie, Labor, Apotheke, einer Männer- und einer Frauenabteilung, einer Geburts- und einer Kinderstation, einer Station für die Pflege von Müttern und Kindern, einer Intensivstation, einer Augen- und einer Zahnklinik, einer Tuberkulose-Station und auch einer Abteilung für VIPs 😳

Meine Fellows lassen mich auch hier nicht im Stich
Diese Frauen sind schwanger und verbringen hier im Krankenhaus teilweise Monate bis zur Geburt
Und natürlich auch hier: Rollstühle 😀

Wir müssen eine Weile warten, denn die leitenden Ärzte haben gerade ein Meeting. Juliana möchte nämlich, dass ich vom Chefarzt untersucht werde. Dieser erscheint dann auch, hört mich ab und erklärt, dass meine Lungen frei sind und ich nur eine Bronchitis habe. Ok, gut. Aber er empfiehlt mir ein Antibiotikum und da ich inzwischen nur noch wieder gesund werden möchte, lasse ich es mir verschreiben. Ebenso noch einen Hustensaft. Ich bekomme beides in der Apotheke für sage und schreibe 3.500 TSh – also quasi umsonst.

Mein Rezept

Das Antibiotikum schlägt zum Glück an und ab Donnerstagabend spüre ich so langsam meine Kraft zurückkommen. Es ist der Abend, an dem wir alle – inklusive Kinder sind es bestimmt 15 Leute – vor dem kleinen MacBook-Bildschirm sitzen und Kino schauen. Es wurde vorher abgestimmt, welcher Film geschaut werden soll und die Wahl fiel auf „Der Junge, der den Wind einfing“. Die wahre Geschichte spielt in Malawi, wo der Schüler William sein Dorf vor einer Hungersnot rettet, in dem er es gegen viele Widerstände schafft, ein Windrad zu bauen. Leider bricht der Film nach anderthalb Stunden ab und wir erleben die triumphale Rettung nicht mehr, aber bis dahin haben alle ihren Spaß gehabt.

Dass ich es überhaupt schaffe, so lange wach zu bleiben, gibt mir Zuversicht, dass die Krise nun endlich überwunden ist und es mit mir wieder bergauf geht.


Während dieser vier Tage, in denen ich zu nichts zu gebrauchen war, passierte noch das eine und andere. Zunächst: Meine am Samstag eingekaufte Farbe stand immer noch unbenutzt im Sekretariat. Dennis und Sophie waren zwar am Sonntagnachmittag in die Schule gefahren mit der Absicht, die restlichen Malerarbeiten in Klasse 6 und 1 durchzuführen. Aber als sie feststellten, dass in den fertigen Klassenräumen die sauberen Wände schon wieder gelitten hatten, ließ ihre Motivation augenblicklich nach und sie rührten Farbe und Roller nicht an. Ich war darüber nicht glücklich, konnte daran aber nun gerade auch nichts ändern.

Die Inspektion fand am Mittwoch und Donnerstag statt. Die drei Herren vom „Gouvernement“ unternahmen Unterrichtsbesuche, kontrollierten sämtliche Unterlagen (dafür musste Baraka noch nach weiteren Dokumenten suchen, die in Pats und meinem Schlafzimmer auf dem Bücherbord standen; ich wunderte mich schon ein bisschen über seine Ordnung 🤔), sie inspizierten die Räume und ließen sich während dieser Arbeit von Juliana mit viel selbstgekochtem Essen versorgen. Nicht ohne Hintergedanken hatte sich Juliana bei diesen Mahlzeiten besondere Mühe gegeben – eine subtile Methode der versteckten Bestechung, die mit Sicherheit nicht allein für das positive Ergebnis verantwortlich war, aber ihren Teil dazu beigetragen hat. Jedenfalls waren die drei Inspektoren sehr zufrieden mit der Bright English Medium School! Angeblich hätten sie den ordentlichen und sauberen Zustand der Klassenräume besonders gelobt, erzählte mir Baraka später. Uih, ob ich das glauben soll, weiß ich ja nun nicht so richtig 😉

Einzig das fehlende Girls Dormitory wurde kritisiert und eine Frist bis Ende des Jahres gesetzt, in der das Wohnhaus fertig gestellt sein muss. Aber dies war ja vorher schon bekannt. Wie Juliana und Baraka das schaffen wollen, ist mir noch nicht wirklich klar. Ich weiß nur, dass ich sie dabei unterstützen werde!

Und dafür erreichte mich am Mittwoch auch noch eine wirkliche gute Nachricht! Ein Freund hat herausgefunden, dass Misereor der richtige Ansprechpartner ist, um für Spenden an die Schule auch Spendenquittungen erhalten zu können. Er leitete mir Informationen von Misereor weiter, die mich ganz hoffnungsvoll stimmten. So heißt es dort gleich im ersten Satz: „Grundsätzlich kann MISEREOR zweckgebundene Spenden an Empfänger in Lateinamerika, Afrika,
Asien oder Ozeanien weiterleiten. Voraussetzung ist immer, dass die Zielsetzung des Vorhabens
dort im Rahmen der Ziele und Aufgaben von MISEREOR liegt und dass MISEREOR in dem betreffenden Land tätig ist. Der Empfänger des Geldes vor Ort soll ein Rechtsträger (Institution, Pfarre,
Verein, Stiftung …), d.h. keine Einzelperson, sein.“ Na siehste, geht doch!

Eine PDF-Datei mit einem Antragsformular habe ich auch gleich mit erhalten. Die Ziele der Auslandsarbeit von Misereor schaue ich mir direkt an und stelle fest, dass sie in der „Förderung von vorrangig armenorientierten Projekten“ liegen, also nicht ganz eindeutig in der Förderung von Bildung und Erziehung. Aber das werde ich schon noch herausfinden. Sollte es passen, dann gibt es also doch einen Weg, dass zumindest deutsche Spender für ihre Geldspende eine für die Vorlage beim Finanzamt gültige Spendenquittung erhalten können.

Denn die momentan wichtigste Hilfe für die Schule, für die vielen Kinder dort, ist Geld, mit dem das Dormitory gebaut und damit die Zukunft der Schule gesichert werden kann.

*****

Margret war in diesen Tagen nicht so viel mit den Schuluniformen beschäftigt, sondern mehr mit unseren Stoffen. Und fix, wie sie ist, produzierte sie alle bestellten Kleider, Shirts und Röcke für Pat, Sophie und mich sowie zwei Hemden und zwei kurze Hosen für Dennis. Rúben ist ein wenig neidisch, aber er bleibt noch etwas, so dass Margret auch ihm etwas nähen kann.

Für mich hat Margret aus meinem blauen Stoff ein kürzeres Kleid mit halblangen Ärmeln und aus dem rosafarbenen Stoff ein fast bodenlanges, ärmelloses Kleid genäht. Die Kleider aus diesen bunten Stoffen werden Kitenge genannt. Ich bin jetzt also Besitzerin von zwei Kitenges und fühle mich sehr gut damit. Problem bei beiden ist nur, dass ich definitiv Hilfe beim An- und Ausziehen brauche, denn die Reißverschlüsse kriege ich nicht alleine auf oder zu 😀

Und dann hab ich jetzt auch noch einen schmalen Rock aus einem Stoff, den Pat mit Sophie und mir geteilt hat, weil wir ihn alle drei schön fanden. Pat hat ein Shirt daraus und Sophie einen weiten Rock. Pat scherzt, dass wir diese Kleidung dann als Brautjungfern bei Sophies und Dennis‘ Hochzeit tragen. Aber vielleicht näht uns Margret dafür dann ja noch etwas Feineres. Einen Pastor haben wir für die Hochzeit auch schon engagiert. Nathan übt fleißig auf Deutsch, was er die beiden dann fragen muss 😀

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Bezüglich meiner Reisepläne hat sich in diesen Tagen auch etwas Neues ergeben. Ursprünglich sollte mein letzter Tag in Loliondo der 31.01. sein. Und auch Dennis und Sophie hatten ihre Abreise für den Freitag geplant. Pat, die hier eigentlich drei Monate verbringen wollte, möchte aber nicht alleine zurückbleiben und hat daher ihre Pläne umgeschmissen, um mit uns zusammen abzureisen. Und da sie erst Mitte Februar in ein weiteres Projekt von Workaway geht, frage ich sie, ob sie Lust hat, mit mir zusammen Richtung Westen und anschließend nach Pemba zu reisen. Sie hat – und wir schauen zusammen, was möglich sein könnte. Besser gesagt, sie recherchiert, denn ich bin ja nicht wirklich in der Lage, etwas zu machen. Aber sie findet Preise für Nationalparks heraus und ob eine Schifffahrt auf dem Lake Tanganjika bis nach Sambia möglich ist.

Letztendlich aber stellen wir fest, dass zum einen alle Parks im Westen, so zum Beispiel der Gombe Nationalpark mit seinen berühmten Gorillas, sehr teuer sind, zum zweiten das 1915 gebaute deutsche Schiff M.V. Liemba, mit dem wir gerne die Schifffahrt auf dem Tanganjikasee von Kigoma nach Mpulungu in Sambia gemacht hätten, bis Oktober zum Überholen aus dem Verkehr gezogen ist und zuletzt die Zeit für eine Tour in den Westen an die großen Seen gar nicht reicht. Denn ich bin nicht fit und unsere Abreise haben wir schon mal von Freitag auf Montag nächste Woche, also den 3.2., verschoben. SEHR SCHADE… aber wer weiß, wofür es gut ist.

Stattdessen planen Pat und ich, dass wir auf der Rückreise nach Arusha noch einen Stop in Karatu machen und von dort eine Safari in den Ngorongoro Crater unternehmen. Denn dort ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Nashörner und auch Leoparden zu sehen, die beiden Tierarten, die mir zu den Big Five noch fehlen. Außerdem ist für mich der Krater, seit ich bei unserer Anreise einen Blick hineinwerfen durfte, ein Stück vom Paradies, das ich gerne mehr kennenlernen möchte.

Es ist zwar nicht ganz einfach, aus der Vielzahl von Safariangeboten ein für uns passendes und günstiges herauszufinden, aber Pat lässt nicht locker und hat irgendwann Kontakt mit einer Agentur names Wakawaka (! 😀), die uns einen Trip von Karatu aus organisieren kann. Mit dem Typen von Wakawaka kommuniziert sie über WhatsApp gefühlt jeden Tag eine Stunde. Derzeitiger Plan ist, dass wir Dienstag, den 4.2., von hier losfahren und am Mittwoch die Safari in den Krater machen.

Aber auch wie wir nach Karatu kommen, muss lange diskutiert und geplant werden. Von Loliondo aus fährt täglich ein Bus nach Arusha, das ist eine Strecke von rund 280 km – für wenig Geld, aber bei den derzeitigen Straßenverhältnissen mit teilweise viertägiger Fahrtzeit! Und zwar, weil ein Fluss, der durchfahren werden muss, aufgrund der vielen Regenfälle fasst nicht passierbar ist.

Für Pat und mich kommt nur der Weg durch den Ngorongoro Nationalpark mit einem privaten Auto in Frage. Allerdings möchten wir dafür nicht wieder 70 $ bezahlen! Juliana und Baraka wollen deshalb beim Gouvernement vorsprechen und für uns quasi einen Passierschein beantragen, da wir ja Volunteers sind und keine Touristen. Und Baraka sucht jemanden aus Wasso oder Loliondo, der am Dienstag nach Karatu fährt. Uns ist Kims Abreise von hier noch gut im Gedächtnis und wir hoffen, dass es für uns einfacher wird. Aber! Man kann nie wissen 😊


Ich gehe jedenfalls an diesem Donnerstagabend nach dem „Kino“ das erste Mal mit der Hoffnung ins Bett, morgen früh wieder einigermaßen fit zu sein. Und damit habe ich auch wieder Hoffnung, dass ich meine restliche Zeit hier in Tansania wie (aktuell um-)geplant verbringen kann.

2 Kommentare zu „My time in Tanzania 18

  1. Das klingt alles super interessant, aber eins muß ich doch gleich fragen (da, freilich in einem anderen Land auf dem gleichen Kontinent) meine Älteste auch schon mal exotisches Antibiotikum brauchte: wars denn genießbar? Das damals hat wohl einfach nur furchtbar geschmeckt. – Nachdem wir letztes Jahr auch mal kurz, rein touristisch, nach Tansania reinschnupperten, allerdings uns auf den Süden konzentrierten, darf ich noch anfügen: ja genau, die zwei, die fast zur Gänze ausgerotteten Nashörner und die Leoparden fehlen uns auch (dafür tolle kleinere Sichtungen wie Löffelhunde, selbst unsere Guides waren erstaunt, Wildhunde und einiges mehr)! Krank wurden wir zum Glück dort nicht, das ist gerade auf Reisen ja immer mit das Wichtigste. Na, für die weitere Reise alles Gute!

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    1. Hallo und vielen Dank für die Nachricht! Ich hatte kein exotisches Antibiotikum verschrieben bekommen, sondern eine Kombination aus Ampicillin und Cloxacillin. Diese Wirkstoffe gibt es auch in Europa. Ich habe es gut vertragen und es hat auch prompt geholfen.
      Nashörner gibt es leider wirklich nur noch wenige. Leoparden dagegen zum Glück mehr, sind nur sehr scheu. Ich hoffe einfach auf die nächste Safari 😊
      Vielen Dank für die guten Wünsche! Und herzliche Grüße!

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