
16.01.2020
Something bat, Juliana Fashion Show und Healthcare zum zweiten
Schon vor Tagen hatte uns Baraka erzählt, dass ein weiterer Volunteer kommen würde. Eine Amerikanerin, was ein bisschen mehr Ausgewogenheit herstellen würde 😊 Angekündigt war sie eigentlich für Sonntagabend, aber aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse konnte sie die Fahrt mit dem Bus von Arusha nach Loliondo tatsächlich erst am Dienstag antreten. Aber sie musste, anders als wir vier, mit dem Bus fahren, da Baraka niemanden hatte, der sie durch den Ngorongoro Nationalpark hätte fahren können (der Bus nimmt eine andere Route hierher). Jedenfalls saß sie seit Dienstagmorgen im Bus und wir erwarteten sie gegen Abend. Es wurde später und später und erst kurz vor Mitternacht, wir waren schon längst im Bett, traf Kim ein.
Dass sie zu uns ins Zimmer zog, war klar, denn in meinem Etagenbett war das obere Bett noch frei. Kim ist 20 und aus New York, aber ihre Eltern stammen aus Vietnam. 17 Stunden war sie unterwegs gewesen! Siebenmal konnte der Bus wegen überfluteten oder schlammigen Straßen nicht weiter fahren. Beziehungsweise mussten alle Fahrgäste aussteigen und mit Steinen und Stöcken versuchen, dem Bus über die unpassierbaren Stellen zu helfen. Alle, bis auf Kim, die sich dazu nicht in der Lage fühlte. Sie war jedenfalls fix und fertig und froh endlich ins Bett gehen zu können. Sie war gerade im Badezimmer verschwunden, als Pat und ich ein Geräusch hören. Pat fragt: „What’s that noise? Is it rain again?“ Ich antworte: „It doesn’t sound like rain…“ Pat: „Is it outside or inside…? Ich: „It doesn’t sound like outside…“ Und in diesem Moment sehe ich, wie eine riesige Spinne mit haarigen Beinen über Kims Rucksack in Richtung meines Bettes krabbelt!!! Eine Tarantel!!! OH MEIN GOTT! Wie ein Blitz springe ich aus meinem Bett. „I‘m out!“ rufe ich noch, rase ins Wohnzimmer und lasse Pat mit der Gefahr alleine. Ich versuche mich gerade zu beruhigen, da schreit Pat: „It‘s a bat! It‘s a bat!“ Und ich zurück: „What‘s a bat? – What‘s a bat?“ In der Aufregung habe ich keine Ahnung, was sie meint. Aber Spinne würde Spider heißen… Da krabbelt über unsere Zimmerschwelle eine … Fledermaus ins Wohnzimmer! Pat ist schon hinter ihr her, bewaffnet mit ihrem Handtuch.
Eine Fledermaus!! Ich muss nur kurz den Schalter umlegen. Bei einer Fledermaus bin ich wieder im Spiel. Gemeinsam bugsieren wir sie nach draußen, wo sie sicher erleichtert das Weite sucht. Von all dem Lärm sind Baraka und Nathan wach geworden. Lachend erzählen wir ihnen das Abenteuer und auch Kim kommt aus dem Badezimmer. „It came out of your backpack!“, sind wir uns sicher. Bei dieser Vorstellung wird sie sichtlich blasser. Baraka erzählt, dass sich schon einmal eine Fledermaus durchs offene Badezimmerfenster ins Haus verirrt hätte, aber die wäre wie ein Düsenjet zur Haustür rausgeschossen. Wie auch immer, das Tier ist draußen und wir können nun beruhigt schlafen gehen.
Donnerstag – seit einer Woche bin ich schon hier! Es kommt mir so viel länger vor. Für heute Morgen haben wir ein Meeting mit Baraka und Juliana verabredet. Jaja, man muss mit den beiden tatsächlich Termine machen, so busy sind sie!
Deshalb brauchen wir heute nicht um 6:45 Uhr aufstehen, sondern können richtig ausschlafen. Das ist auch gut, nach dem nächtlichen Abenteuer.
Wir haben zusammen ein spätes Breakfast und treffen wir uns anschließend alle vor dem Haus. Baraka und Juliana bringen Unterlagen mit und wir erklären, was wir für Global Giving brauchen. Das Problem ist, dass es zwar einen Verein mit NGO-Status gibt, aber dieser Verein, den Baraka und Juliana vor etlichen Jahren gegründet haben, verfolgte einen anderen Zweck (Hilfe für aidskranke Kinder). Aus der Arbeit mit den aidskranken Kindern hat sich irgendwann die Schule entwickelt. Den Verein gibt es noch, er ist aber nicht mehr aktiv. Für die Bewerbung bei Global Giving müssen von der gemeinnützigen Organisation auch die Satzung, die Ausgaben des letzten Jahres und ein Budget für das neue Jahr angegeben werden. Das ist also alles nicht optimal. Zudem gibt es auch von der Schule keine Aufstellung der Ausgaben des letzten Jahres, nur eine von 2018.
Ich versuche zeitgleich, eine Organisation/einen Verein zu finden, über den Spenden nach Loliondo fließen können und der dafür Spendenquittungen ausstellen kann. Das ist auch nicht so einfach. Aber wir finden eine Internetseite „Gemeinsam für Afrika“, die ich anschreibe und um Ratschläge bitte.
Wir „arbeiten“ ungefähr anderthalb Stunden, dann muss Baraka los. Nun schlägt Julianas Stunde. Schon seit den ersten Gesprächen über Kleider und Stoffe entstand die Idee einer Juliana Fashion Show 😀 Jetzt ist Zeit dafür und Juliana präsentiert uns einen Teil ihrer Roben. Die übrigens alle Margret genäht hat. Wir sind völlig aus dem Häuschen über diese Farben und ihre Art zu präsentieren. Juliana ist wirklich bildschön!


Nach dem Lunch machen wir Volunteers uns alle zu Fuß auf den Weg zur Schule. Da liegt mitten auf der Straße ein totes Chamäleon! Ich wusste gar nicht, dass diese Tiere in der Region Loliondo leben. Bis auf die Nutztiere der Massai habe ich hier noch keine wilden Tiere entdeckt. Ich beerdige das Chamäleon noch schnell, in dem ich es an den Straßenrand unter eine Pflanze lege. Dann gehts weiter.

Wir wollen unsere zweite Healthcare Stunde mit Beatrice und den Mädchen halten. Diesmal sitzen statt sechs gut 25 Mädchen im Klassenraum. Wow – es scheint Interesse zu geben. Wie immer wird erst das Thema der letzten Stunde wiederholt – es war: How to clean my body. Das nächste Thema für heute ist: How to clean my clothes (especially underwear). Zunächst schleppt sich die Stunde etwas mühsam dahin. Dann hält sie aber doch drei wichtige und überraschende Erkenntnisse parat: 1. Die Mädels haben in der Schule keine Binden. Wir beschließen, einen Vorrat zu kaufen. 2. Beatrice ist aufs Äußerste überrascht, als wir verneinen, unsere Schamhaare ständig zu rasieren. Sowohl die Girls wie auch Beatrice glauben, dass sie ständig rasiert werden müssen, da sie sonst so lang werden wie die Haare auf dem Kopf!! Wir müssen uns fast festhalten vor Lachen – und die gesamte Klasse lacht mit! Diese Vorstellung von langen Zöpfen, die aus der Unterhose hängen, treibt uns die Tränen in die Augen 😂 Wir überzeugen Beatrice davon, dass sie es ruhig einmal ausprobieren soll und wollen bei Gelegenheit auch nachfragen. Der 3. Punkt wird dann wieder ernster. Irgendwie kommen wir auf das Thema Beschneidung. Bevor Beatrice dazu etwas sagen kann, legt Pat los. Dass Beschneidung etwas sehr Schlechtes sei. Dass die Mädchen Nein sagen können und sollen. Dass sie diese Schmerzen nicht über sich ergehen lassen müssen. Ich schaue Pat ein bisschen entsetzt an. Nimmt sie sich da zu viel heraus? Aus Beatrice’ Mimik ist nichts zu lesen, ihr Gesichtsausdruck ist undurchdringlich. Obwohl ich Pat mit hochgezogenen Augenbrauen anschaue und ihr versuche klarzumachen, dass sie sich vielleicht besser etwas zurückhalten soll, ist sie nicht zu stoppen. Engagiert setzt sie ihren Vortrag fort. Erst als sie bei dem Punkt ist, dass ja in Tansania die Beschneidung gesetzlich verboten ist, kommt endlich auch ein Beitrag von Beatrice, nämlich Zustimmung. Und sie unterstreicht das gerade Gesagte noch einmal mit eigenen Worten. Ich bin erleichtert, denn mir war nicht ganz klar, wie intensiv bezüglich dieses Themas hier an der Schule Stellung genommen wird. Die Mädchen haben alles mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Es war sicher nicht das erste Mal, dass sie diese Aufklärung erhalten haben. Aber vielleicht noch nie so vehement und von einer Amerikanerin.

Zurück zu Hause gab es noch zwei erwägenswerte Dinge. Zum einen haben wir den Einsatz eines Kohlebügeleisens erlebt! So altertümlich es aussieht, es funktioniert ganz hervorragend!


Des Weiteren sollte erwähnet werden, dass wir schon seit Tagen dabei sind, eine Safari in der Serengeti für uns fünf zu planen. Pat entwickelt hierbei eine besondere Antriebskraft, denn sie, die anderthalb Jahre in einer Buschschool in South Africa gearbeitet hat, muss unbedingt die Serengeti sehen. Diese liegt ja auch nur anderthalb Stunden von uns entfernt. Und so ist sie dabei, Angebote zu vergleichen und mit Baraka zu diskutieren, wie wir alle am günstigsten für zwei Tage in die Serengeti kommen. Und nun heute scheint sich endlich eine Entscheidung abzuzeichnen, nämlich für eine privat durch Barakas Kontakte organisierte Safari. Der Jeep und der Driver kommen aus Wasso, der Guide aus Arusha und das Camp ist vom Guide empfohlen und wird durch ihn gebucht. Richtig günstig ist der Spaß allerdings doch nicht. Denn an den Touristenpreisen für den Eintritt und die Unterkunft kommen wir leider nicht vorbei. Aber wichtig für uns alle ist, dass wir zusammen fahren. Und danach sieht es zum Glück aus!
Liebe Ulli, es liest sich wie ein Action-Roman!
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Liebe Gosia! Glaub mir, es wird noch besser 😀 Danke für dein Anteilnehmen! Und auch für die Fotos der maledivischen Schule – da haben wir ein Vorbild 😊
Ganz liebe Grüße!
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Liebe Ulli,
ich bin begeistert!
Du hast wohl Deinen Camino gebraucht, um Deinen Traum nicht nur zu leben, sondern zu verwirklichen! Ich bin in Gedanken bei Dir.
Herzliche Grüße
Christian
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Lieber Christian,
es freut mich, dass du mich wieder begleitest! Ich bin so gerne hier – auch wenn vieles, sehr vieles so ganz anders ist als zu Hause.
Liebe Grüße, deine Ulli
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