My time in Tanzania 22

03.02.2020
Verhandlungen

Für heute, Montag, war mal die Abreise angedacht, aber ich bin froh, dass ich noch diesen einen Tag habe! Morgen wollen Pat und ich mit einem privaten Auto durch den Park (Ngorongoro Nationalpark, aber das wisst ihr ja inzwischen) nach Karatu bzw. Mto Wa Mbu (ein Ort, der etwas hinter Karatu Richtung Arusha liegt) fahren. Dort übernachten wir in einem Camp und der Typ von Wakawaka wird uns am Mittwoch zu einer Tour in den Ngorongoro-Krater abholen, mit anderen Touristen, denn alleine war es uns ja zu teuer.

So der Plan. Aber noch haben wir kein privates Auto gefunden. Und wissen auch noch nicht, ob wir durch den Park fahren können, ohne etwas zu bezahlen. Dafür will Baraka heute mit uns zum Gouvernement fahren, um für uns ein Schreiben zu bekommen, dass wir als Volunteers keinen Parkeintritt bezahlen müssen. Ich hoffe sehr, dass es funktioniert, denn auf nochmal 70 $ nur für die Durchfahrt habe ich keine Lust. Pat auch nicht.

Sophie und Dennis sind noch nicht entschlossen, ob sie morgen mit uns mitkommen oder lieber den Bus nehmen. Der Bus kostet nur 30.000 TSh, ist aber nicht sehr sicher und hat auf jeden Fall eine lange Fahrtzeit. Das private Auto wird einiges kosten (Baraka spricht von 300.000 – 400.000 TSh) und eigentlich ist den beiden das zu teuer, obwohl es nur 30 – 40 € pro Person bei vier Mitfahrern sind. Daher hoffe ich auch, dass sie dabei sind, denn nur für Pat und mich wäre es sonst der doppelte Betrag. Aber sie schwanken die ganze Zeit hin und her und kosten uns dadurch schon eine Menge Geduld.

Erstmal aber fahren wir um 9:30 Uhr zur Schule und ich gehe gleich direkt in die 2. Klasse zu Beatrice. Sie und die Kinder freuen sich sehr, mich wiederzusehen. Und umgekehrt! Als ich erzähle, dass ich morgen abreise, unterbricht Beatrice den Unterricht und lässt die Kinder für mich etwas singen.

Sind sie nicht großartig?!!!

Ich bin mal wieder völlig hin und weg von den Kids! Mit Beatrice verabrede ich, dass wir am Nachmittag endlich die dritte Stunde der Healthcare Class durchführen. Es ist ja die letzte Chance. Sie will die Mädchen informieren. So spontan wäre das an einer deutschen Schule sicher nicht möglich.

Dann schaue ich mir die Fortschritte des Wassertanks an. In dem Loch, was schon ausgehoben wurde, liegen jetzt jede Menge Steine. „Mein“ Zement soll nachher darüber und dazwischen gegossen werden, um ein festes Fundament zu bilden. In der Nähe des Wassertanks entdecke ich eine Neuerung. Es ist eine Art Waschbecken, erklärt Sophie und zeigt auch, wie die beiden Kanister funktionieren. Eine geniale Idee, die Lehrer Omar umgesetzt hat.

Für den Wassertank müssen noch jede Menge Flaschen mit Erde gefüllt werden. Die anderen sind schon dabei, ich geselle mich dazu. Was einfach klingt, ist es aber nicht so wirklich, denn die Erde muss stark komprimiert werden, damit die Flaschen auch genügend Stabilität und Festigkeit bekommen. Mit kleinen Löffeln fülle ich also Erde ein und muss alle paar Zentimeter Höhe die Erde mit einem Holzstock nach unten und an den Rand drücken.

Die Zeit verfliegt, aber Baraka kommt nicht wie verabredet, um mit uns ins Gouvernement zu fahren. Erst als es Lunchtime ist, tauchen er und Juliana auf und nehmen uns mit nach Wasso. Er berichtet, dass er noch keinen gefunden hat, der morgen nach Karatu fahren würde. Als Juliana unsere betroffenen Gesichter sieht, schlägt sie vor, ihren Bruder John zu fragen, der uns ja auch schon nach Loliondo gebracht hat. Sie werde ihn bitten, uns den Gefallen zu tun. Und das auch für einen guten Preis. Na, wir schauen mal.

Vor dem Gouvernement

Die Gemeindeverwaltung liegt an der Straße in die Serengeti. Dort angekommen, marschieren wir jetzt aber nicht einfach hinein und beantragen das Schreiben. Nein, nein, das funktioniert hier anders! Wir warten auf dem Parkplatz und Juliana telefoniert erstmal. Sie müsse jemanden finden, der ihnen helfen kann, erklärt sie und senkt dabei ihre Stimme. Kurze Zeit später taucht eine Frau auf, die ich kenne. Es ist die Predigerin aus Julianas Gemeinde. Sie arbeitet hier und soll jetzt helfen, einen Kollegen zu finden, der unserem Anliegen wohlgesonnen sein könnte. Das dauert eine ganze Zeit. Wir sitzen derweil vor dem Gouvernement im Schatten der Bäume und müssen uns in Geduld üben.

Schließlich kommt sie zurück. Sie hat einen Kollegen gefunden, allerdings macht der gerade Mittagspause. Natürlich! Ok, wir warten weiter, aber irgendwann wird es Juliana zu bunt. Sie fordert uns auf, mit ihr und Baraka zusammen in das Gebäude zu gehen.

Die Verwaltung des Bezirks Loliondo ist in einem ebenerdigen Gebäudekomplex untergebracht, in dessen Mitte eine Art Patio mit einer Rasenfläche und einigen Blumen angelegt ist. Von dem Hof führen überdachte, aber offene Gänge zu den einzelnen Büros. Juliana weiß, in welchem Büro sie den Mitarbeiter finden kann. Aber seine Tür ist verschlossen, er isst als immer noch zu Mittag. Das will Juliana nicht abwarten und nimmt mich mit, um den Herrn in seiner Pause aufzusuchen. Hinter dem Gebäude befindet sich ein „Hotel“, wo alle Angestellten zu Mittag essen, informiert mich Juliana. Dorthin gehen wir, allerdings sieht das „Hotel“ in meinen Augen eher nach einem Lokal aus. Vielleicht meint Juliana ja auch das.

Der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung weiß schon, dass wir auf ihn warten. Er steht von seinem Platz auf und kommt uns entgegen. Nein, es sei alles gut, er wäre gerade fertig geworden, entgegnet er unseren Entschuldigungen für die Störung. Und geht mit uns zu seinem Büro. Ha! Das hat doch schon mal gut geklappt. Juliana ist wirklich taff. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht sie es auch durch. Mir ist das überaus sympathisch!

In dem Büro stehen drei Schreibtische und es ist daher nicht viel Platz. Wir kommen aber alle mit hinein und verfolgen gespannt die „Verhandlung“. Der Angestellte hört geduldig zu, was Baraka und Juliana ihm zu unserer Situation erklären. Wir sind alle Volunteers, freiwillig und unentgeltlich hier und arbeiten hart, um die Bright School zu unterstützen. Der „normale“ Weg zurück nach Arusha sei aber so gefährlich für uns, dass er nicht in Frage kommt. Daher bleibt uns keine Wahl als durch den Park zu fahren, aber es sei ja unzumutbar, wenn wir nur für die Durchfahrt den vollen Eintritt zahlen müssten.

Der Mann hinter dem Schreibtisch hat durchaus Verständnis dafür. Und fragt Baraka, ob er denn diese Aussagen auch schriftlich hätte, mit einem Stempel der Schule? Er braucht auf jeden Fall einen schriftlichen Antrag, den er seinem Chef (dem Leiter der Verwaltung) vorlegen muss. Denn alleine könne er das nicht entscheiden.

Jaja, ein solcher Brief würde sich als Entwurf bei ihm zu Hause auf seinem Laptop befinden, sagt Baraka. Wir Volunteers schauen uns an und zwischen uns liegt die unausgesprochene Frage, warum er denn dieses Schreiben nicht schon mit hat?! Darauf erhalten wir keine Erklärung, weder jetzt noch später. Aber nun kommt Leben in die Angelegenheit. Denn inzwischen zeigt die Uhr viertel nach zwei und der Leiter ist nur noch bis 15:30 Uhr im Haus. Soll also eine Genehmigung für morgen ausgestellt werden, dann müssen wir uns jetzt sehr beeilen. Wäre es vielleicht auch möglich, die Abreise noch um einen Tag zu verschieben? Das wollen Pat und ich aber nicht, denn sonst verpassen wir die Safari.

So verabschieden wir uns in einer gewissen Eile, aber sehr höflich (schließlich wollen wir ja etwas von ihm) und versichern, noch vor 15:30 Uhr mit allen Unterlagen wieder zurück zu sein. Ab geht es nach Hause, wir bekommen Lunch, während Baraka und Juliana an dem Schreiben arbeiten. Sie setzen in den einen Brief alle unsere Namen, auch den von Rúben.

Um 15:27 Uhr sitzen wir allesamt wieder in dem Büro. Der Herr nimmt das Schreiben von Baraka entgegen und teilt uns mit, was ich schon geahnt habe. Der Leiter ist nicht mehr im Hause und heute könnte er daher nichts mehr für uns tun. Das ist Afrika! Und damit meine ich nicht den Leiter, der schon kurz vor dem offiziellen Feierabend verschwunden ist. Sondern das ganze Prozedere und insbesondere, dass Baraka das Schreiben nicht schon vorbereitet hat.

Aber ich ärgere mich nicht, ganz im Gegenteil! Ich kann der Situation viel Gutes abgewinnen: 1. Eine Safari wird sich für uns auch schon noch am Donnerstag finden lassen. 2. Wir haben heute durch die ganze Gouvernement-Sache die Healthcare Class verpasst, können sie aber stattdessen morgen machen. 3. Wir haben uns noch gar nicht richtig verabschiedet – das muss für mich aber unbedingt sein. Ich möchte auch noch viele Fotos machen, also ist es gut, dass wir morgen noch hier sind. Und 5. müssen wir noch einen Fahrer finden.

Dies nehmen wir gleich in Angriff und fahren nach Wasso Downtown, wo Baraka sich inzwischen mit einem Mann verabredet hat, der uns morgen fahren kann. Wir treffen ihn auf einem „Parkplatz“, er setzt sich zu uns ins Auto und wir hören uns seinen Preis an. 800.000 TSh will er haben! Das ist viel zu viel! Ich halte ihm die Story von den armen und hart arbeitenden Volunteers entgegen, die höchstens 350.000 TSh zahlen können. Er lächelt, überlegt nur kurz und bleibt bei seinem Preis. Sonst würde er keinen Shilling daran verdienen, meint er. Alles klar, dies ist nicht unser Mann.

Jetzt kann nur noch John helfen. Er ist passender Weise auch gleich zur Stelle und wir verhandeln mit ihm, dass er uns am Mittwochmorgen nach Mto Wa Mbu fährt zu einem Gesamtpreis von 400.000 TSh, dass er aber noch weitere Mitfahrer sucht, die sich an dem Betrag beteiligen. Maximal vier, sagen wir ihm, denn sein Auto hat sieben Sitze. Dennis und Sophie haben sich zwar die ganze Zeit nicht erklärt, aber mir ist klar, dass wir nicht mit ihnen planen können und sollen.

Eigentlich sind wir heute auch noch mit Modesti verabredet, seine Eltern in Sakkala Village zu besuchen. Diesen Besuch hatte ich angestoßen, als ich mit ihm die Farbe einkaufen war. Aufgrund meiner „Schlaftage“ hat sich die Verabredung zuletzt auf heute Nachmittag, 16:30 Uhr, verschoben. Aber es ist leider abzusehen, dass es auch heute nichts wird. Denn es muss noch eingekauft werden: Wasser (ganz wichtig), Toilettenpapier (noch wichtiger!), Savanna (als Abschiedsdrink, den ich im Supermarket erstmal kühl stellen lasse, denn warm kann man Savanna nicht wirklich genießen) und ich.. ich würde furchtbar gerne noch eine Shouka haben, einen dieser bunten Massai-Umhänge, die es hier in vielen Läden gibt. Juliana lächelt milde, natürlich können wir danach schauen! Am besten in dem Store, wo wir unsere Stoffe für die Kitenges gekauft haben. Dort gibt es die größte Auswahl.

Im Laden „verliebe“ ich mich nicht nur in gleich zwei Shoukas, auch ein Kitenge-Stoff mit wunderschönem rot-blauen Muster und inklusive Guineafowl (Perlhuhn), dem typischen Vogel Afrikas, den wir auch in der Setengeti getroffen haben, will unbedingt mit! Rúben findet den Stoff genauso toll wie ich, lässt mir aber den Vortritt, ihn zu kaufen. Ob Margret es wohl in einem Tag schafft, daraus ein Kleid zu nähen? Juliana ist sich sicher. Also kaufe ich alle drei Stoffe und hab jetzt aber mehr als genug 😌

Stoff für noch ein Kitenge..

Wir holen für den Rückweg noch die inzwischen kalte Savanna aus unserem Wasso Supermarket ab, fahren in der Schule vorbei, um ein krankes Mädchen mit nach Hause zu nehmen, das besondere Pflege braucht, und sind gegen 19 Uhr endlich zurück.

Vor dem Haus wartet eine Massai, die uns selbstgemachten Schmuck verkaufen möchte, und so endet dieser Tag mit einem weiteren, letzten Shopping: zwei wirklich schöne Armreife aus vielen kleinen, bunten Perlen. Der Kauf ist für beide Seiten ein Gewinn, denn die Frau kann das Geld mehr als gut gebrauchen.

Alles neu aus Tanzania, bis auf die Socken…

Margret überreiche ich den roten Stoff und frage, ob sie es schaffen könnte, daraus morgen ein Kleid wie mein blaues zu nähen, aber mit kürzeren Ärmeln. Und ob dann noch genügend Stoff übrig ist für ein Kleid für Rúbens Mutter. Denn für sie hätte er den Stoff gerne gehabt. Margret lacht ihr nettes, verlegenes Lachen und bejaht beide Fragen. Mich freut es, dass Rúben überrascht, aber froh ist. Er ist ein wirklich feiner Kerl und ich hätte ihn gerne noch näher kennengelernt. Seine restliche Zeit bis Ende Februar wird er voraussichtlich alleine sein, denn erstmal haben sich keine neuen Volunteers für die Bright School angemeldet. Aber er liebt die Kinder und kann sich den ganzen Tag nur mit ihnen beschäftigen – es wird gut werden für ihn.

Rúben und Zenathi

Hinterlasse einen Kommentar