My time in Tanzania 16

25.01.2020
Paint shopping with a Pikipiki

Heute will ich die restliche Farbe kaufen. Modesti ist pünktlich. Um 10 Uhr steht er mit seinem Motorrad vor der Tür. Diese Bikes werden in Tansania Pikipiki genannt und dienen vielfach auch als Taxi. Oft sitzen drei Personen drauf und höchstens der Fahrer trägt einen Helm. So auch jetzt. Ich habe allerdings keine Bedenken. Der Verkehr hier ist nun wirklich überschaubar und der Weg nach Wasso dauert höchstens 12 Minuten. Leider! Denn es macht irre Spaß, mit diesem Pikipiki durch die Gegend zu düsen 😀 Beim Passieren des Flusses kurz vor Wasso ist Modesti sehr vorsichtig. Eigentlich ist es das Überfahren einer Brücke, aber sie ist bei diesem vielen Regen immer überflutet und man muss durchs Wasser durchfahren. Gestern sei es viel tiefer und gefährlicher gewesen, meint Modesti. Na, das nenne ich Glück.

So sah die Brücke am Tag unserer Anreise aus
Hier eine Durchfahrt mit Barakas Auto

Modesti erzählt auf meine Frage hin, dass er das Motorrad von seinem Vater hat – leihweise, bis er sich ein eigenes kaufen kann. Der Preis für ein neues Pikipiki liegt bei 2.500.000 TSh, also knapp 1.000 €. Noch hat er nicht sehr viel zusammen, aber er spart fleißig. Er hat, so wie ich es verstehe, zwei Jobs. Zum einen ist er ein Pikipiki-Taxi-Driver und zum zweiten erhält er immer wieder Aufträge von Juliana, die ihn dafür bezahlt. Sein Einkommen dürfte also nicht sehr hoch sein..

In Wasso versuchen wir es zunächst noch einmal in dem Laden, der mir die drei Eimer verkauft hat. Der Verkäufer hat einen 10-Liter-Eimer gelbe Farbe. Aber nicht von Kiboko, sondern einem anderen Hersteller. Das will ich nicht. Dann also das nächste Geschäft. Dort glauben sie, die Farbe zu haben. Aber nicht im Laden, sondern in einem Container gleich um die Ecke. Wir fahren dahin und schauen nach. In dem Container gibt es zwar Farbe von dem Hersteller, aber nicht in gelb und auch nicht in 10 Litern.

Nun, Wasso, man glaubt es kaum, hat noch mehr Stores, in denen Farbe verkauft wird. Aber der dritte hat leider den falschen Hersteller, so fahren wir bis fast an den Ortsausgang und fragen im vierten Laden nach. Die junge Verkäuferin hat die richtige Farbe! Von Kiboko! In einem 4-Liter-Eimer zu einem Preis von 33.000 TSh. Das erscheint mir viel. Zu viel… Habe ich nicht für 20 Liter 100.000 TSh bezahlt?

Ein kleiner Exkurs zum Thema Währung: 1.000 TSh sind durchschnittlich knapp 0,40 €. Bezahlt wird mit Scheinen in Höhe von 1.000, 2.000, 5.000 und 10.000. Der größte Schein hat also gerade mal einen Wert von 4 €. Hat man ein bisschen mehr Cash in der Tasche, macht einen das leicht zum Millionär. Mit dem Nachteil allerdings, dass dann das fette Bündel Scheine jedes Portemonnaie sprengt 😀

Wir entschließen uns, nach Loliondo zu fahren und dort nach Farbe zu schauen. Außerdem will ich dort unbedingt zur Bank! Ich hab ja immer noch kein Bargeld und hoffe, dass ich dort in der Geschäftsstelle der NMB-Bank Geld bekomme. Baraka jedenfalls meinte, dass ich mit dem Leiter der Bank in Loliondo sprechen soll, dann würde es schon klappen.

Unser erster Weg führt uns also in die Bank. Es ist eine größere Filiale mit mehreren Schaltern. Ich warte ein Weilchen, dann kommt ein Herr auf mich zu und fragt mich nach meinem Anliegen. Es scheint der Leiter der Bank zu sein, denn er führt mich in ein großes, modernes Büro. Ich berichte von meinen Schwierigkeiten und bitte ihn, mir zu ermöglichen, Geld abzuheben. Meine Bank hätte Abhebungen aus Tansania freigegeben und nun würde es nur an seiner Bank liegen, meine Kreditkarte, die „nur“ Credit ist, zu akzeptieren. Sollte ja nicht so schwierig sein!

Sein Gesichtsausdruck ist freundlich, aber unbestimmt. Er will sich erkundigen und verschwindet erstmal für fast 30 Minuten. Währenddessen wartet Modesti draußen geduldig bei seinem Pikipiki. Es tut mir leid für ihn – er hat heute wahrscheinlich noch andere Dinge zu tun. Aber meine Mission hier ist mir schon ziemlich wichtig.

Was meint ihr? Habe ich Erfolg? Nein! Der Leiter kommt zurück und teilt mir mit einem gewissen Bedauern mit, dass er leider nichts ausrichten konnte. Wir sollten aber nochmal gemeinsam an den ATM draußen gehen und es zusammen versuchen. Ich habe wenig Hoffnung, dass der Bankautomat mir diesmal nur aufgrund seiner Anwesenheit Geld ausspuckt. Aber bitte, wenn er meint…

Natürlich passiert nichts! Ob ich es mit Current, mit Credit oder den beiden weiteren Auswahlmöglichkeiten versuche, es erscheint jedes Mal die gleiche Meldung wie zuvor, nämlich: „your financial institution is not available“ Puuuh 😡

Frustriert kehre ich zu Modesti zurück. Ich frage nach Western Union und wir fahren ein kurzes Stück weiter zur Post, die Western Union hat. Aber es ist Samstagmittag und die Post ist geschlossen. Toll…

Nun, dann möchte ich jetzt wenigstens die Farbe bekommen. Aber in ganz Loliondo gibt es zwei Läden, die zwar Handwerkerbedarf führen, allerdings nicht die Farbe, die ich brauche. Ok, dann zurück nach Wasso! Der einzige Gewinn der ganzen Unternehmung ist, dass ich ausgiebig Pikipiki fahren kann 😀

Modesti ist weiterhin die Geduld und Freundlichkeit in Person und fährt uns also wieder zu dem vierten Laden, wo ich zwei Eimer à 4 Liter für 66.000 TSh kaufe. Damit bleiben mir jetzt noch rund 20.000 TSh, dann bin ich blank. Für seine Fahrdienste gebe ich meinem treuen Driver allerdings noch ein paar tausend Shilling – er hat sie sich sehr verdient.

Am Ende ist es doch der vierte Laden in Wasso, wo ich die Farbe kaufe
Was lange währt… jetzt gehts nach Hause!

Zu Hause gibt es Lunch und den Rest des Tages mach ich erstmal Pause. Ganz fit fühle ich mich nicht. Meine Erkältung macht mir schon zu schaffen – ich habe einen riesigen Verbrauch an Klopapier, da mein Vorrat an Taschentüchern längst aufgebraucht ist. Mir tut Pat leid, die ich seit vielen Nächten störe, wenn ich husten oder niesen oder Nase putzen muss. Aber es ist leider nicht zu ändern.

Noch ein kleiner Nachtrag: Am Abend frage ich Baraka, was ich eigentlich für die drei Eimer Farbe bezahlt habe. Er weiß es noch. Zusammen mit den drei Rollern und dem Pinsel waren es knapp 500.000 TSh. Ohh – dann sind ja die 33.000 TSh für 4 Liter fast der gleiche Preis wie ich für 20 Liter bezahlt habe. Aber es kommt noch besser. Denn plötzlich erinnere ich mich, dass ich ja eine Quittung erhalten habe und die auch noch den ganzen Tag in meinem Portemonnaie dabei hatte… Auf der Quittung steht es ganz genau: 160.000 TSh für 20 Liter. Also hab ich für die beiden kleinen Eimer nur 500 TSh mehr bezahlt. Wegen 0,20 € also der ganze Aufwand – ohne Worte 🙈🙈🙈😀