My time in Tanzania 9

17.01.2020
Massai Market

Ich bin leider ziemlich im Rückstand mit meinen Berichten. Das liegt unter anderem daran, dass ich zwei Tage unterwegs war! Davon erzähle ich allerdings erst, wenn ich mit den letzten drei Tagen der vergangenen Woche fertig bin, ok? Denn es passiert hier durchaus jeden Tag etwas Neues.

So nämlich steht für Freitag der Besuch des Massai Market in Wasso auf dem Programm. Wir freuen uns schon! Leider kann uns Juliana nicht wie ursprünglich geplant begleiten, denn sie fährt früh am Morgen mit ihrer älteren Tochter Brightness nach Arusha, um sie dort zur Second School zu bringen. Eigentlich sollte Baraka seine Tochter nach Arusha fahren, aber Pläne ändern sich hier schnell. Da es ja mit dem Bus schwierig ist, in diese Stadt zu gelangen, hat Juliana zum Glück eine Mitfahrgelegenheit bei einer Familie gefunden, deren Tochter auch nach Arusha zur Schule muss. Juliana hat aber noch organisiert, dass einer der Lehrer uns auf dem Markt begleiten soll.

Morgens laufen wir aber erstmal zur Schule. Ich mache den Vorschlag, dass wir mittags nach der Schule eigenständig nach Wasso laufen oder mit dem Schulbus fahren, dort versuchen, in einem Bistro/Restaurant einen Lunch zu bekommen und dann auf den Markt gehen. Der Vorschlag wird nicht sofort abgeschmettert, aber meine Fellows haben mittelschwere Bedenken, dass es in Wasso wahrscheinlich gar kein Bistro gibt oder zumindest dass das local food für uns nicht so gut ist. Schade, ich hätte es gerne ausprobiert 😀 Muss ich erwähnen, dass in diesem Zusammenhang nicht nur einmal mein neuer Spitzname benutzt wurde..?!

Sophie und ich sitzen wieder in der 1. Klasse, sie malt (weil Teacher Jennifer von ihrem Talent gehört hat) und ich schreibe meinen Blog. Es ist leider nicht nützlich für die Klasse, aber ich möchte gerne weiterkommen und oft fehlt hier die Zeit dazu …

Nach dem Lunch, den wir zu Hause einnehmen, bringt uns Baraka nach Wasso und lädt auf dem Weg noch schnell Teacher Rickson an der Schule ein, der uns zum Markt begleiten wird.

Der Massai Market findet auf einem (Natur)Platz in Wasso statt, der aufgrund des vielen Regens völlig durchgeweicht ist. Matsch, so weit das Auge reicht 😀

Meine dicken Caminoboots haben sich doch schon das eine und andere Mal als durchaus nützlich erwiesen

Aber ebenso massenhaft farbenfrohest gekleidete Menschen, so weit das Auge reicht! Die allermeisten in der Tracht der Massai, den typischen, meist karierten Umhängen. Sie heißen Shouka und werden sowohl von den Männern wie den Frauen getragen. Die Farbe Rot scheint Lieblingsfarbe zu sein.

Es gibt so gut wie keine Tische oder Stände: Alle Waren liegen direkt auf der Erde, manche zum Schutz vor dem Matsch auf Plastikplanen

Zum Markt in Wasso kommen Massai aus einem Umkreis von 50-60 Kilometern. Das ist bei den hiesigen Straßenverhältnissen enorm! Es werden Tiere, Lebensmittel, Kleidung, Schmuck, Hausrat und allerlei nützliche wie nebensächliche Dinge angeboten. Übrigens auch Handys!

Als erstes sehen wir etliche Plastikplanen, auf den große Kleiderberge mit unterschiedlichster Kleidung liegen. Viele Interessenten stehen um die Haufen herum und suchen sich Kleidungsstücke heraus. Es ist nicht schwer zu erkennen, um was für Kleidung es sich handelt. Hier liegen unsere Altkleider, die wir in Sammlungen geben, in Container stecken, vielleicht sogar in Kleiderkammern abgeben (denn dort wird ja auch nicht alles für den Bedarf des Ortes behalten). Die Leute hier bezahlen für die Kleidung. Es ist ein großes Geschäft mit unseren gespendeten Altkleidern. Ich frage später Juliana, was sie von der europäischen Second Hand Ware hält. Sie sagt, sie ist froh, dass die Menschen hier auf diese Weise für wenig Geld Kleidung erstehen können. Es gibt Neuware zu kaufen, aber die ist verhältnismäßig teuer, auch wenn es Massenware aus Asien ist, die extra für den afrikanischen Markt produziert wird, wie ich dank Google herausfinde.

Hier werden unsere gespendeten Altkleider verkauft …
By the way, die Frau im schwarzen Top ist böse, weil ich sie fotografiere

Ich weiß, dass die Menschen hier nicht einfach fotografiert werden möchten und ich respektiere das auch. Bei dem obigen Bild hatte ich mehr die Kleider im Fokus als die Menschen. So entschuldige ich mich schnell und wende mich dem Nachbar“stand“ zu, der schwarze Sandalen verkauft. Sicherheitshalber frage ich, ob ich die Schuhe fotografieren darf – ich darf!

Die Sohle dieser Sandalen besteht aus Autoreifen – sie haben also ein ziemlich gutes Profil 🙂

Diese schwarzen Sandalen werden von vielen Massai getragen und sind aus Autoreifen hergestellt. Dennis und Sophie kaufen sich je ein Paar und finden sie äußerst bequem.

Pat ersteht ein Armband und eine Kette aus bunten Kunststoffperlen. Ich bin auch in Versuchung, aber der Schmuck, der hier angeboten wird, ist nur ein Abklatsch des Schmucks, den die Massai tragen. Alle Massaifrauen sind behängt mit kreativ gestalteten Arm- und Fußbändern aus verschiedenfarbigen, kleinen Perlen sowie breiten Halsketten und die oft aufgeschnittenen und ausgeweiteten Ohrläppchen sind ebenfalls mit Perlengehängen kunstvoll geschmückt.

Diese Massai trägt nicht die übliche karierte Shouka, aber ihr Schmuck ist sehr typisch. Das Foto ist übrigens von Dennis.

Wir streifen weiter über den Markt und würden gerne noch mehr schönen Stoff kaufen, aber auch die angebotene Auswahl der Stoffe ist nicht so vielfältig wie das, was die Massai am Leib tragen.

An Lebensmitteln sehen wir vor allem säckeweise frisches Gemüse wie Auberginen, Paprika, Mais und eine Art afrikanischen Spinat sowie Kartoffeln, Reis und Bohnen. Frisches Obst kaufen die Leute natürlich auch und zwar Bananen, Mango, Papaya, Orangen. An einigen Stellen wird Essen frisch gekocht und verkauft. Aber wir verzichten lieber auf das tasting…

Dies hier ist einer der „Essensstände“ .. wir können nur riechen, was dort unten zubereitet wird
Hier ist es einfacher – gegrillter Mais

Mich reizt es, Fotos zu machen, denn ich weiß, dass ich diese Buntheit und Exotik nur schwer werde beschreiben können. Pat und Rickson sind mir gerne behilflich, aber unterschiedlich. Pat gibt mir Sichtschutz, so dass ich unbemerkt Fotos machen kann und Rickson fragt und/oder überredet bzw. versucht, die Leute zu überreden.

Mit Pat als Tarnung bemerken diese Massai nicht, dass ich sie fotografiere
Diese beiden Frauen werden von Rickson angesprochen, aber erst verweigern sie das Foto, dann stimmen sie zu und letztendlich verlangen sie Geld 😳 .. was ich ihnen auch gegeben habe.
Ein Selfie von uns Volunteers darf natürlich nicht fehlen

Nach gut anderthalb Stunden verlassen wir den Markt, denn wir haben noch zwei Dinge zu erledigen. Zunächst wollen wir uns mit Wasser versorgen, denn wir nutzen zum Trinken und Zähneputzen nur gekauftes Wasser aus verschlossen Flaschen. Der Weg führt uns durch den Ort Wasso, den wir zwar schon öfter besucht haben, aber immer noch nicht richtig kennen. Er weist eine ganze Reihe von Geschäften auf.

Hier können sich Männer Haare und Bart abschneiden lassen, …
… gegenüber befindet sich der Beauty Salon für die Frauen
Es gibt einen Bäcker …
… und einen Fleischer
Viele Geschäfte sind vergittert, man scheint hier teilweise schlechte Erfahrungen gemacht zu haben

In dem Laden, wo wir Wasser kaufen, besorge ich auch erstmal 10 Packungen Binden für die Girls in der Schule. Und wir genehmigen uns jeder ein Savanna, das ciderähnliche Getränk, das wir an unserem ersten gemeinsamen Abend in Karatu getrunken haben.

Wie man hinter mir erkennt, sind die Regale nur spärlich gefüllt

Ja, und dann müssen wir noch den Jeep in Augenschein nehmen, mit dem es am Sonntag auf Safari gehen soll. Das Gefährt gehört einem Arzt aus Wasso und wird von diesem immer wieder für solche Touren vermietet. Dennis will das Auto erst sehen, bevor er sich zur Teilnahme an der Serengeti-Tour entschließt. Oder auch nicht… Ein paar Straßenzüge abseits der Hauptstraße befindet sich ein ruhiges Wohngebiet. Im Hof eines Einfamilienhauses parkt der Jeep, den wir für passabel und vertrauenswürdig halten, um uns durch die Serengeti zu fahren. Er soll noch neue Reifen bekommen, was uns beruhigt. Die Schwierigkeiten, die Baraka mit seinen abgefahrenen Reifen hat, haben wir nun schon häufiger erlebt. Aber auch Baraka soll neue Reifen aus Arusha erhalten. Fragt sich nur, wann…

„Unser“ Serengeti-Jeep

Für den Heimweg will Rickson uns ein Taxi organisieren, aber glücklicherweise steht gerade der Schulbus an der größten Kreuzung in Wasso, mit dem wir ausnahmsweise den Heimweg antreten dürfen.

Auf halber Strecke aber gibt es ein Problem – der Bus hält, Rickson und der Fahrer steigen aus, schauen nach, diskutieren und halten letztendlich ein Auto an, dass sich als Taxi herausstellt. In dieses steigen wir dann um, wir bezahlen (zum Glück nicht zu viel) und werden die restliche Strecke nach Hause gefahren.

Beim Dinner diskutieren und planen wir weiter unseren Serengeti-Tripp. Dennis und Sophie haben sich jetzt zum Glück entschlossen, mitzukommen. Aufgrund ihres geringeren Budgets haben sie lange abgewogen, ob sie den am Ende doch stolzen Preis für zwei Tage Serengeti bezahlen wollen. Nun aber sagen wir unserem Guide Joseph aus Arusha zu, der Samstag hier eintreffen soll, damit wir Sonntag früh starten können. Wir vier freuen uns schon!

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