My time in Tanzania 6

14.01.2020
Assistant teacher

Der erste Unterrichtstag! Abfahrt um 7:30 Uhr mit den Schulkids, die hier bei Baraka leben und die von ihm morgens zur Schule gefahren werden. Wir erreichen die Schule und erleben noch die letzten Minuten der morgendlichen Begrüßung aller Schüler auf dem Schulhof.

Dann steuern wir als erstes das Sekretariat an, weil hier der Stromanschluss ist und wir unsere leeren Phones und Pads und Powerbanks aufladen können. Bei Baraka ist auch Strom – aber nur durch ein Solarpanel, dass bei Sonnenschein eine Batterie auflädt. Sonnenschein haben wir leider nicht die ganze Zeit, zudem dauert das Aufladen hier länger und der Strom wird natürlich für die abendliche Beleuchtung gebraucht. Also liegt eigentlich beim kleinsten Sonnenschein meine Solarpowerbank draußen, aber sie lädt auch nicht so schnell, so dass der Akku meines Handys immer knapp ist (bei all den Fotos und den Berichten..). Daher sind wir alle vier froh über den Strom in der Schule! Aber nun zurück zum Unterricht.

Sophie und ich hatten uns mit Beatrice, Lehrerin der zweiten Klasse, verabredet. Ihr Klassenraum ist das mittlere Zimmer des Wellblechgebäudes, das hinter dem Schulgebäude steht. Wir öffnen die Tür und ein ohrenbetäubender Begrüßungschor schallt uns entgegen: „Committed to excellence in education. Good morning, teacher!“ Zum Verständnis, der erste Satz ist das Schulmotto. Wir freuen uns über dieses Willkommen und dürfen auf der hinteren Bank Platz nehmen.

Ohne dass Beatrice irgendetwas anleiten oder vorgeben muss, beginnen die Kids ein Lied nach dem anderen zu singen. Dafür kommen immer drei bis fünf Schüler nach vorne und wechseln sich als Vorsänger bzw. Solisten und Tänzer ab. Wir sind ganz hin und weg von soviel Begeisterung und Bewegung! Nicht ein Kind steht auch nur einen Moment still!

Ein Lied imponiert uns besonders. Es geht ungefähr so:

I‘ll be a doctor – because of education!

I‘ll be a pilot – because of education!

I‘ll be a teacher – because of education!

Und dann gibt es noch einen Refrain , den ich aber nicht gut verstehen kann.

Zu guter Letzt wird gebetet – berührend.

Der Unterricht in der Bright English Medium School ist von der Preschool an in Englisch. Uns hat schon bei den ersten Besuchen imponiert, wie gut selbst die jüngeren Kinder die Sprache beherrschen.

Nach gut 20 Minuten Singen beginnt das erste Fach: Healthcare. Thema sind gerade die Sinnesorgane. Beatrice wiederholt aber zunächst den Stoff der letzten Stunde. Und das, in dem sie Fragen stellt, die die Schüler erst einzeln und dann im Chor beantworten. Und zwar wieder und wieder und wieder. Bis es sitzt. Und zwischendurch stellt sie immer wieder die Frage: „Are you with me?“ und die die Schüler rufen: „Yes!“ Aber die Antwort reicht ihr noch nicht. Also noch einmal und diesmal lauter: „Are you with me?“ Wieder alle: „YES!“ „ARE YOU WITH ME?“ „YEEESSS!!!“ Das alles geschieht in einem ziemlichen Tempo, trotzdem bleibt Beatrice allzeit freundlich, gelassen und souverän.

Sophie und ich haben den Eindruck, dass alle den Stoff der letzten Stunde perfekt wissen 😀

Der neue wird auf ähnliche Weise vermittelt. Beatrice schreibt ihn aber zunächst an die Tafel. Dann lässt sie die Schüler die Sätze lesen und wiederholen und letztlich in ihre Hefte abschreiben. Ab diesem Zeitpunkt kehrt Ruhe ein. Erstaunlich diszipliniert arbeiten die Kinder, die in den Bänken eng beieinander sitzen. Beatrice fragt Sophie, ob sie zeichnen kann, und da Sophie sich nicht wehrt, darf sie die Sinnesorgane auf ein großes Plakat malen. Mir legt Beatrice einen großen Stapel Hefte auf den Tisch und einen roten Stift und ich darf also jetzt die Hausarbeiten von gestern korrigieren. Das ist nicht weiter schwierig, gibt mir aber einen Einblick in den Leistungsstand der Kinder. Zum einen finde ich nur wenige Fehler. Die meisten Hefte kann ich mit einem lachenden Smiley abzeichnen. Zum anderen beeindruckt mich, wie sauber, bei manchen sogar künstlerisch die Schrift ist. Das Abschreiben der beiden Tafelseiten dauert eine ganze Weile, aber jeder ist sehr konzentriert dabei. Sophie hat in der Zwischenzeit mit viel Hingabe aus einem Schulbuch Auge, Nase, Ohr, Mund und Hand (für fühlen 😉) gezeichnet. Dann ist Pause.

Im Sekretariat kontrollieren wir den Ladevorgang unserer Geräte und bekommen Chaitee serviert – lecker! Vielleicht sollte ich euch noch eine kurze Vorstellung vom Sekretariat vermitteln. Der Raum liegt vor dem Schulleiterzimmer, ist ca. anderthalb mal drei Meter groß und nur mit einem sehr kleinen Schreibtisch, auf dem der einzige Computer der Schule steht, einem weiteren, kleinen Tisch und drei Stühlen ausgestattet. That’s all… Das Zimmer des Schulleiters Mr. Rasto ist im Übrigen nicht größer, es enthält aber neben dem kleinen Schreibtisch auch noch zwei abschließbare Schränke.

Nach der Pause begebe mich zur 1. Klasse, die von Jennifer und der Referendarin Rita unterrichtet wird. Auch hier der laute Begrüßungschor der Kinder, darunter Britten, die Tochter von Juliana und Baraka. In dieser Stunde ist Englisch dran, Thema Requests. Jennifer drückt mir ein dünnes Schulbuch in die Hand und meint tatsächlich, ich solle jetzt den Unterricht übernehmen. Ich bin echt überrumpelt. Da ich ja schon durch die letzten beiden Stunden bei Beatrice eine Vorstellung habe, wie Unterricht hier aussieht, weiß ich, dass ich das so aus dem Stehgreif aber mal gar nicht hinkriege. So bitte ich Jennifer, mir erstmal zu zeigen, wie sie es macht; ich bin aber gerne mit dabei. Auch hier lässt die Lehrerin die Kinder viel im Chor wiederholen und versichert sich immer ihrer Aufmerksamkeit. Ich versuche mich dann auch, aber es funktioniert nur mittelmäßig. Auf meine Frage: „Are you with me?“, erhalte ich nur vereinzelt ein lauwarmes „Yes“. Okay, das ist noch ausbaufähig.

Die 40 Minuten gehen schnell herum, dann verlasse ich die Klasse schon wieder, denn wir vier sind jetzt mit Juliana verabredet, die mit uns jetzt nach Wasso fährt, damit wir Stoffe kaufen können 😀 Drei Geschäfte klappern wir ab und haben jeder nach gut anderthalb Stunden zwei bis drei 6 Meter Stoffe (für umgerechnet 20-25 Euro) erstanden, aus denen uns Margret Kleider und Shirts schneidern wird. Ha!

Shoppen macht fröhlich

Nach einem kurzen Lunch zu Hause laufen Sophie und ich zur Schule (wir freuen uns über die 35 Minuten Bewegung), denn um 15 Uhr findet eine weitere Stunde Healthcare statt, diesmal mit den älteren Mädchen, die schon ihre Periode bekommen haben. Beatrice ist die Healthcare Lehrerin und bei ihr im Klassenraum sitzen sechs Mädchen, die alle mehr oder weniger schüchtern wirken. Wir drei „Teacher“ setzen uns auf Stühlen vor die Mädchen und halten uns an das, was Beatrice uns vorher mit auf den Weg gegeben hat „Speak friendly with them, every time friendly, then they won‘t be shy.“ Also, freundlich sind wir ja immer 🤗 Aber das Thema „How I wash my body?“ ist den Girls dann doch etwas unangenehm, als es nämlich darum geht, wie die „privat parts“ gewaschen werden. Wir drei lassen uns aber davon nicht beeindrucken und besprechen alles ziemlich detailliert mit Offenheit und Selbstverständlichkeit. Ein bisschen verwundert bin ich, als Beatrice den Girls eintrichtert, auf keinen Fall Seife für die unteren privat parts zu benutzen, sondern nur sauberes Wasser. Seife könnte die Haut reizen und wir könnten krank werden. Nun, ich will sie nicht korrigieren, aber Seife darf durchaus an die privat parts, zumindest an die äußeren, da sind uns Sophie und ich einig 😀 mit den Mädchen und uns wird die nächste Stunde verabredet, dann machen wir uns wieder zu Fuß auf den Heimweg.

Drei Kids aus der Preschool begleiten uns noch ein bisschen

Wie jeden Abend nehme ich auch heute wieder eine Dusche – Waschen ist wichtig, besonders hier.

Unsere bucket shower

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