My time in Tanzania 4

12.01.2020
Sonntag – Kirche und Walkaround

Juliana und Baraka gehören der Pentecost Church an, also einer Kirche der Pfingstbewegung, für die das Wirken des Heiligen Geistes im Mittelpunkt steht. Heute ist Sonntag, der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr und wir vier wollen alle mit Juliana mitkommen. Pat kennt sich aus und fragt, ob sie statt eines Rockes auch eine Hose anziehen kann, sie würde keine Röcke oder Kleider haben. Nathan, der ja Pastor ist, beruhigt sie, eine Hose, die das Knie bedeckt, reicht völlig. Sophie und ich haben aber Röcke dabei und ziehen diese auch an. Allerdings ist unser Outfit nichts im Vergleich zu Julianas! Ihr Kleid ist typisch afrikanisch – farbenfroh und überaus prächtig 😀 Leider habe ich sie nicht sofort fotografiert, aber es wird noch eine Modenschau geben, denn Juliana hat 12 Roben (das ist der passende Ausdruck), die alle Margret genäht hat und die wir natürlich sehen wollen.

Es ist kurz vor zehn und wir sind startklar, als wir mitbekommen, dass Baraka mit dem Van kurz hinter dem Hof auf dem Weg zur Hauptstraße steckengeblieben ist. Habe ich erwähnt, dass es in den Nächten und teilweise auch tagsüber stark regnet?! So sind die Straßen in schlechtem Zustand und dies ist Baraka heute morgen zum Verhängnis geworden.

Alle fassen mit an – aber es ist kein einfaches Unterfangen, den Wagen aus dem Matsch zu schieben

Die Jungs und Männer schieben und schaufeln und schieben und nach 20 Minuten ist es geschafft. Jetzt sitzt Juliana am Steuer und fährt schlingernd den weiteren Weg zur Hauptstraße hoch und dann nach Wasso, obwohl sie eigentlich zu ihrer Gemeinde nach Loliondo fahren wollte. Aber die Straße dorthin ist schlechter als nach Wasso und sie hat Angst, wieder steckenzubleiben. In Wasso ist auch eine Pentecost Church, die wir eine Dreiviertelstunde nach Beginn des Gottesdientes erreichen.

Im Gänsemarsch zur Kirche!
Diese ist noch „in process“ 🙂

Am Eingang werden wir von einer jungen Frau mit einer Umarmung „Wellcome, Baby/Brother!“ begrüßt. Im Kirchenraum sind nicht sehr viele Menschen versammelt; für uns ist noch Platz in erster und zweiter Reihe auf der Männerseite (!). Die Kirchenraum ist einfach: auf dem Sandboden stehen rechts und links einige Reihen mit Plastikstühlen, vorne steht ein Pult und in einer Ecke ein Tisch (kein Altar), die ganze Rückwand ist mit Tüchern geschmückt und vor der Wand sitzen im Halbkreis die Gemeindevorsteher.

Der Gottesdienst ist gerade bei der Predigt angelangt, die ein Mann in einem komplett roten Anzug mit oranger Krawatte und weißen Schuhen in ein Mikrofon .. ja, man kann sagen, regelrecht schreit. Zum Glück wird der Lautsprecher irgendwann leiser gestellt – wir sind schon kurz vor einem ernsthaften Hörschaden! Das Wort Mungu fällt so oft, dass mir schnell klar ist, was es heißt: Gott. Noch während der Men in red am Predigen ist, steht ein weiterer Mann, der vorne sitzt und Pastor der Gemeinde ist, wie wir später erfahren, auf und bittet Juliana, dass sie uns übersetzt. Da ich von ihr zu weit entfernt sitze, verstehe ich von ihrer Übersetzung nichts, aber irgendwie kann ich den Worten des Predigers durchaus eine Botschaft entnehmen – auch wenn sie auf Suaheli sind. Vorne sitzt im übrigen noch ein Priester – nämlich der Bischof aus Arusha, der auf Besuchstour ist.

Nach der Predigt sollen wir mit Juliana nach vorne kommen und uns vorstellen, was wir auch gerne tun. Dann tritt der Chor auf!

Großartig!
Den beiden Kindern wird während des Liedes Geld in die Taschen gesteckt.

Während des Songs werden Spenden eingesammelt und dann treten vier Leute vor, für die der Pastor extra betet, weil sie besondere Anliegen haben. Diese Gebete sind so intensiv, dass sie mir sehr ans Herz gehen.

Nicht nur Geld, sondern auch Eier werden gespendet!

Wir fühlen uns auch gesegnet und werden nach dem Gottesdienst noch von allen Gemeindemitgliedern herzlich umarmt. Da wir in Wasso sind, wird noch Wasser in einem kleinen Laden gekauft.

Anschließend statten wir noch der Schule einen Besuch ab und schlingern den matschigen Weg nur mit viel Glück herunter, ohne uns festzufahren. Herauf zur Hauptstraße ist es dann nicht weniger kritisch, allerdings wird das Auto von den Schülern mit vereinten Kräften geschoben und so kommen wir doch oben an.

Zu Hause gibt es dann Lunch, der wie immer aus heißen Speisen besteht: Reis, Nudeln, Kartoffeln, Bohnen, Kohl, oft auch Chapati, nicht immer, aber häufig Fleischstücke in Soße (ein bisschen wie Gulasch). Wir hatten auch schon Pommes oder eine Art Tortilla und immer ist alles reichlich und lecker, aber! Die vielen Kohlehydrate, die auch noch ölig zubereitet werden (bis auf den Reis), und die bis jetzt wenige Bewegung machen uns schon ein bisschen Kummer. Und so beschließen wir, einen Spaziergang nach Loliondo zu unternehmen, das knapp drei Kilometer entfernt liegt.

Die Gegend hier ist so grün und fruchtbar!Wiesen und Hügel könnten auch beispielsweise am Main liegen. Nur dass dort nicht so viele Massai unterwegs sind…

Der Ort ist älter als Wasso und auch hübscher. Wir werden von vielen Leuten begrüßt und angesprochen. So von einem modernen Massai, der einen sauberen Laden mit Drogerieartikeln betreibt. Bei ihm auch sein Bruder und sein Vater, beide traditionelle Massai, die uns ihren imposanten Ohrschmuck zeigen, für den die Ohrläppchen mit einem Messer beim Initiationsritus (wenn die Jungen 18 Jahre sind) aufgeschnitten werden – nun! Kann man machen… muss man nicht ..

Selfie mit Massai Papa

Für den Rückweg schlage ich vor, einen kleinen Pfad zu gehen, der parallel der Hauptstraße entlangführt. Die anderen drei folgen etwas zögerlich und nennen mich Ulli Danger – den Spitznamen werd ich von nun an nicht mehr los. Als Dennis dann laut überlegt, dass es hier durchaus Schlangen geben könnte, und Pat nicht nur spaßig jammert, dass eine Mutter von sieben Kindern doch eigentlich mehr Verantwortung zeigen müsste, frage ich mich, ob die Idee wirklich so gut war, lasse mir aber nichts anmerken. Wir erreichen jedenfalls unser Zuhause ohne Schlangenbisse!

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