My time in Tanzania 3

11.01.2020
Die Schule

Nach einer kurzen Nacht (ich habe etwas länger gebraucht, um meinen ersten Bericht hier zu schreiben und anschließend hat mich ein überaus heftiges Gewitter vom Schlafen abgehalten), wache ich unter meinem Moskitonetz auf und entdecke auf meinem linken Unterarm einen Stich! Ein leichter Anflug von Panik – ich hab mir doch nicht schon am dritten Tag in Afrika Malaria eingefangen?! Und das trotz Moskitonetz! Und meine Malariaprophylaxe steckt noch in der Tiefe meines Rucksacks, weil ich überhaupt keine Lust darauf verspürt habe, jeden Tag Antibiotika zu schlucken, wenn ich hier in einer Region mit so gut wie keinem Malariarisiko bin (laut Baraka). Ich zeige Pat den Stich auf meinem Arm und sie meint, dass er auch von einer Spinne oder einem anderem Krabbeltier sein könnte. Sofort denke ich an Wanzen und finde diese Vorstellung wenig amüsant. Beruhigt bin ich aber, als mir bewusst wird, dass ich die ganze Nacht über keine Mücke gehört habe. Und so beschließe ich, erstmal relaxed zu bleiben und den Stich zu beobachten.

Nach dem starken Regen in der Nacht scheint morgens zum Glück wieder die Sonne. Baraka, den Juliana übrigens Mr. Baraka nennt, will uns heute die Schule zeigen und uns die Lehrer vorstellen. Erstmal aber wird gefrühstückt. Nun sind wir vier ja Volunteers und ich war auf Mithelfen und Arbeiten eingestellt, aber wir werden wie Gäste behandelt und sollen/müssen uns bedienen lassen, darauf besteht Juliana. So ist um 8 Uhr der niedrige Tisch gedeckt mit French Toast und Peanutbutter und heißen Getränken. Wir vier sitzen am Tisch, während Barakas Bruder und eine junge Frau mit ihrer kleinen Tochter auf der zweiten Couch Platz nehmen, die aber keinen Tisch zum Abstellen der Speisen hat. Juliana kommt irgendwann dazu und auch einige Kinder holen sich Frühstück vom Tisch, verschwinden dann aber mit ihren Tellern im Familienzimmer. Ich frage Juliana, wo ich meine Wäsche waschen kann. Dies übernimmt für wenig Geld eine Frau, bekomme ich zur Antwort. Sie ist angestellt, um die Wäsche für alle Bewohner des Hofes zu waschen und wird dies auch gerne für uns tun. Ich gebe der Frau meinen Beutel mit den staubigen Kleidungsstücken der Safaritour und fühle mich noch mehr wie in einem Rundum-Sorglos-Urlaub!

Eine eigene Schneiderin

Für die junge Frau, die Margret heißt, wird nach dem Frühstück eine alte Nähmaschine in den Wohnraum getragen. Margret ist eine Schneiderin aus Arusha und von Juliana für drei Wochen engagiert, Schuluniformen und Kleider für die Familie zu nähen. Als Zeugnis ihrer Kunst tragen Margret und ihre kleine Tochter Rosweita wunderschöne Kleider, die wir ausgiebig bewundern. Sofort schlägt Juliana vor, dass Margret auch für uns Kleider schneidern kann – afrikanische natürlich! Wir könnten in den nächsten Tagen in die Nachbarorte fahren und nach schönen Stoffen schauen. Wow! Wir sind ganz geplättet und bei Sophie, Pat und mir macht sich augenblicklich Vorfreude bemerkbar. Girls halt, sagt Pat. Hat das hier eigentlich noch irgendetwas mit Workaway und ehrenamtlicher Arbeit zu tun?!

Nun! Gegen Mittag geht es endlich zur Schule. Wir fahren mit Mr. Barakas Familienvan und brauchen gute 8 Minuten, bis wir von der Hauptstraße auf einen Weg (unbefestigt wie übrigens alle Straßen hier) abbiegen, der herunter zum Schulgelände führt.

Die Bright English Medium School
in Loliondo

Kaum sind wir vor der Schule aus dem Auto geklettert, werden wir schon umringt von einer großen Schar Kinder, die unsere Hände ergreifen und alle Hello rufen und uns nach unseren Namen fragen. Alle, ausnahmslos alle, strahlen übers ganze Gesicht und schauen uns offen und neugierig aus ihren großen braunen Augen an. Es dauert eine ganze Weile und unzählige „My name is Ulli. And what’s your name?“, bis wir von Mr. Baraka ins Sekretariat und das dahinterliegende Schulleiterzimmer geführt werden. Mr. Rasto (auch bei ihm ist es der Vorname – den Nachnamen kann ich weder aussprechen noch mir merken) und ein weiterer Lehrer heißen uns herzlich willkommen, sind aber busy, weil sie gerade dabei sind, den Stundenplan für alle Klassen zu erstellen.

Jetzt sollen wir uns die Bauarbeiten für das neue Dormitory der Girls anschauen, kommen aber vorher noch an dem Schlafraum der Boys vorbei, für das ein Klassenraum umfunktioniert wurde. Wir schauen hinein und mir verschlägt es etwas die Sprache. In dem Raum stehen zwölf Doppelstockbetten unordentlich in zwei Reihen. Die Betten sind ungemacht und die Matratzen und Laken nicht im besten Zustand. Auf dem Boden am Eingang stehen einige Metallkisten, in denen sich die persönlichen Sachen der Kinder befinden, ansonsten liegt noch Müll herum. Als Baraka erklärt, dass immer drei Jungen in einem Bett schlafen, bin ich entsetzt und mir kommen Vergleiche, die mich ganz betroffen machen.

Hinter den Gebäuden befinden sich noch drei Klassenräume aus Wellblech sowie die Outdoorküche und die neue Küche, für die aber noch die Einrichtung fehlt, so dass sie bisher noch nicht genutzt werden kann. Dieses Küchengebäude wurde von vier deutschen Volunteers gesponsert und in vier Wochen aufgebaut. Wir sind ziemlich beeindruckt und fragen uns, wie die Jungs das nur geschafft haben.

Mittagessen ist fertig!
Die aktuelle Outdoorküche…
…und die neue Küche, die hoffentlich bald benutzt werden kann

Gleich neben der neuen Küche wird irgendwann das Girls Dormitory stehen. Noch sind drei Männer dabei, Erde für das Fundament auszuheben. Dabei muss das Wohnheim bald fertig sein, denn das Gouvernement macht ungeheuren Druck. Und so ist es Barakas und Julianas die größte Sorge, dieses Gebäude bauen zu können. Sie haben einen Ingenieur, der alle Berechnungen und Zeichnungen gemacht hat, sie haben mit etwas Kapital schon Baumaterialien gekauft, aber um das Gebäude fertigstellen zu können, fehlen noch ganz erhebliche finanzielle Mittel.

Wir begreifen die Not und sehen ihre Bemühungen und fragen uns, wie wir effektiv helfen können.

Bevor wir wieder aufbrechen, besichtigen wir noch das Lehrerzimmer und einen Klassenraum. Ohhjeee.. auch hier bin ich leicht geschockt. Ok, es ist alles sehr einfach und nicht in bestem Zustand, aber auch in ärmlichen Verhältnissen kann durchaus Ordnung und Sauberkeit herrschen. Müll und Dreck auf dem Boden muss nicht sein.

Die Wände des Klassenraums sind schmutzig und die Farbe blättert ab. Auf der hinteren haben Volunteers den afrikanischen Kontinent gezeichnet – es fehlt aber der Rest der Welt. Die Tür zum Klassenraum ist defekt und liegt im Klassenraum.

Wir entdecken auf einem Tisch ein Schulbuch, das in einem Band den Unterrichtsstoff von drei Jahrgängen und sechs Fächern beinhaltet. Ein Buch für alles! Dennis fängt an, darin zu stöbern und wir stellen fest, das viele Aufgaben wahrlich nicht einfach sind.

Nach diesem ersten Eindruck nehmen wir Abschied von Kindern und Lehrern und fahren zurück nach Hause. Am Abend sprechen wir mit Juliana und Baraka über die Schule und überlegen, was wichtig wäre zu tun. Die größte Sorge ist das fehlende Geld. Die Schule nimmt Schulgeld, das aber nur von zwei Dritteln der Kinder bezahlt wird. Das restliche Drittel ist von Juliana und Baraka aufgenommen worden, weil sie helfen wollen. Es sind Kinder, die keine Eltern mehr haben oder nicht bei ihren Familien leben können. Die Regierung springt an dieser Stelle nicht ein und bezahlt kein Schulgeld, sondern hat nur den Rat, diese Kinder von der Schule wegzuschicken, Wir vier Volunteers sind ziemlich betroffen und diskutieren noch lange, wie wir helfen können.

Abendliche Runde mit Mr. Baraka
auf unserer Wohn-/Eßzimmercouch

Ich krieche erneut unter das Moskitonetz, lade mein Handy an meiner neuen Solarpowerbank, ein geniales Weihnachtsgeschenk meiner Kinder, schreibe noch ein Weilchen und stelle kurz vor dem Einschlafen fest, dass der Mückenstich über Tag verschwunden ist! Glück gehabt!

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